Philosophische Ecke

Was erwartet Sie hier? Einfach reinschauen – vielleicht bleiben Sie irgendwo hängen und lesen dann weiter ...

Sie finden Texte, Verse, Ansichten und Ausichten, Widersprüche und Übereinstimmungen. Nehmen Sie sie als Anregung, den Geist schweifen zu lassen, zum Vergnügen, zur Kontemplation; vielleicht finden Sie einen neuen Blickwinkel für eine anltbekannte Angelegenheit? Von Zeit zu Zeit gibt es hier Veränderung, Sie sind eingeladen, dieses Blatt wieder aufzuschlagen.

Tretet an die Kante.
Wir könnten fallen.
Tretet an die Kante.
Sie ist zu hoch!
TRETET AN DIE KANTE!
Und sie traten vor, und er gab ihnen einen Stoß,
und sie flogen!

Christopher Logue in:
Gregg Braden, im Einklang mit der göttlichen Matrix




Diese Sinnenwelt —
nur gedacht der Unterschied
zur un-sinnigen.

Schritte des Weges:
losgelassene Wünsche
führen zu uns selbst.

Nur sie zusammen,
all die vielen Momente
sind wahres Leben.

Streichelte den Mond —
die andren merkten es nicht
weil sie schon schliefen.

Nur eine Blume
war die wortlose Antwort —
und ein Lächeln blieb.

Nirgendwo sichtbar —
und doch schon berühren sich
Frühling und Katze.

Das Leben ist wie dieser Kreis,
der ohne zögern und ohne Nachdenken
„in einem Guss“ entstehen muss!
Es sind keine Korrekturen möglich! Wir können nicht zurücknehmen,
was einmal Tat geworden ist.
Ja, wir können nicht einmal ungeschehen machen,
was je durch unser Bewusstsein zog.
Es ist nur zu ergreifen,
solange etwas gerade geschieht —
weder vorher, noch nachher.

Alle Haiku und
die Betrachtung über den Zen-Kreis von Helga Nenge Miller
sind entnommen aus:
Sotetsu Yuzen, Aki No Bo (Herbst-Mönch)





Atme! Du bist lebendig

Atme, und du weißt: Du bist lebendig.
Atme, und du weißt, dass alles dir zu Hilfe eilt.
Atme, und du weißt: Du bist die Welt.
Atme, und du erkennst, dass auch die Blume atmet.
Atmest du für dich, so atmest du für die Welt.
Atme Mitgefühl ein und Freude aus.

Atme, und sei eins mit der Atemluft.
Atme, und sei eins mit dem dahinströmenden Fluss.
Atme, und sei eins mit der Erde, auf der du wandelst.
Atme, und es schwindet jeder Gedanke an Geburt und Tod.
Atme, und du erkennst, dass Unbeständigkeit das Leben ist.

Atme, damit deine Freude stetig ist und ruhig.
Atme, damit deine Sorgen verfliegen.
Atme, damit sich jede Zelle im Blut erneuert.
Atme, damit sich dein Bewusstsein bin in seine tiefsten Schichten erneuert.
Atme, und was du berührst, wird neu und wirklich.

Annabel Laity in:
Thich Nhat Hanh, das Wunder des Bewussten Atmens

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Wo Liebe ist, kann Leid nicht sein

Jiddu Krishnamurti


Der Tod muss etwas Außerordentliches sein,

so wie es das Leben ist. Das Leben ist ein Ganzes. Leid, Schmerz, Qual,
Freude, absurde Ideen, Besitz, Neid, Liebe und das schmerzliche Elend der
Einsamkeit — all das ist Leben. Und um den Tod zu verstehen, müssen wir
die Gesamtheit des Lebens verstehen, nicht nur ein Fragment davon nehmen
und mit diesem Fragment leben, wie es die meisten von uns tun. Wenn wir
das Leben wirklich verstehen, verstehen wir auch den Tod, denn die beiden
sind nicht voneinander getrennt.

Jiddu Krishnamurti, London, 12.Juni 1962


Die Hand- und Fussbewegungen eines Neugeborenen

sind auch das wunderbare Werk der Buddha-Natur,
ebenso der fliegende Vogel,
der rennende Hase,
die treibende Wolke.

Zen-Meister Bassui Tokusho (1327—1387) in:
Sotetsu Yuzen, Aki No Bo (Herbst-Mönch
)


Alle Materie entsteht

und besteht nur durch eine Kraft ...
so müssen wir hinter dieser Kraft einen bewussten intelligenten Geist an-
nehmen. Dieser Geist ist der Urgrund aller Materie.

Max Planck,
bekannt als Vater der Quantentheorie


Ich habe

einen kleinen Tropfen Wissen in meiner Seele.
Lass ihn eingehen in dein Meer.

Rumi

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Wenn dann jetzt ist

Was macht Zeit eigentlich mit uns und wir mit ihr, außer dass sie unseren Kindern hilft, gleichzeitig mit dem Rest der Mannschaft auf dem Sportplatz zu sein oder uns unseren Zug erreichen hilft? Sind es wirklich die Sekunden zwi-schen den Minuten unseres Tages, die verhindern, dass alles gleichzeitig geschieht? Gibt es die Zeit auch, wenn niemand von ihr weiß?

Und sind die Dinge, die in der Zeit geschehen, fest in ihr verankert? Sind die Geschehnisse in diesem Universum bereits fest in eine Zeitlinie eingeschrieben, die wir als unserer Leben wahrneh-men? Oder ist die Zeit formbar? Und wenn ja, sind dann auch die Ereignisse in der Zeit veränderbar? Normalerweise denken wir, dass sich die Zeit nur in eine Richtung bewegt, nämlich vorwärts, und dass alles, was bereits geschehen ist, in das Gefüge von Raum und Zeit eingemeißelt ist. Doch auf experimenteller Ebene zeigt sich, dass unsere Vorstellungen von Vergangenheit und Gegenwart vielleicht nicht so zutreffend sind. Die Zeit scheint sich nicht nur in zwei Richtungen zu erstrecken, wie Einstein vermutet hat, sondern heute getroffene Entscheidungen können sich möglicherweise sogar auf das auswirken, was gestern geschah. 1983 wurde ein Experiment* durchgeführt, um diese Möglichkeit zu untersuchen. Die Ergebnisse stellen alles auf den Kopf, was wir uns bislang unter Zeit vorgestellt haben.

Der Physiker John Wheeler stellte damals eine Variante des berühmten Experimentes mit den zwei Öffnungen vor, um die Wirkung der Gegenwart auf die Vergangenheit zu überprüfen. (...) Ein Quantenteilchen (Photon) wird auf ein Ziel abgeschossen. An diesem Ziel kann festgestellt werden, ob es sich dabei um ein Mate-rieteilchen oder um eine Energiewelle handelt. Es muss auf dem Weg dorthin jedoch durch eine kleine Öffnung in einer Barriere. Mysteriöserweise kommt das Experiment zu einem anderen Ergeb-nis, wenn es sich um zwei Öffnungen handelte.

Bei einer einzigen Öffnung verhält sich das Teilchen am Anfang, während und am Ende seiner Reise auf gleiche Weise: als Teilchen. Bei zwei Öffnungen jedoch startet es als Teilchen, begibt sich als Welle durch beide Öffnungen gleichzeitig und erreicht sein Ziel auch als Welle.
Da die Wissenschaftler, die das Experiment durchführten, die Einziegen waren, die jeweils wussten, wie viele Öffnungen in der Barriere waren, nahm man an, dass ihr Wissen das Verhalten des Photons irgendwie beeinflusst.
Wheeler veränderte das Experiment dahingehend, dass er das Photon nach dem Durchdringen der Öffnungen, aber vor dem Erreichen des Zieles beobachtete. Es ist also bereits auf dem Weg zu seinem Ziel, wenn die Entscheidung fällt, als was es betrachtet wird.

Er entwickelte zwei verschiedene Arten, das Photon am Zielort zu betrachten: Eine Linse, um das Teilchen visuell festzuhal-ten und einen Bildschirm, auf dem es als Welle sichtbar wurde. Dies war insofern wichtig, als sich die Photonen bei früheren Experimen-ten so verhalten hatten, wie sie beobachtet wurden: als Teilchen, wenn sie als Teilchen gemessen wurden und als Welle, wenn sie als Welle gemessen wurden.
Bei diesem Experiment sollte erst nachdem das Photon die Öffnung der Barriere durchdrungen hatte, entschieden werden, ob es mit der Linse als Teilchen betrachtet wird (dann dürfte es nur eine der beiden Öffnungen durchquert haben) oder mit dem Bildschirm als Welle (dann müsste es beide Öffnungen durchwandert haben). Wheeler nannte es „das Experiment der späten Entscheidung“.
Dies bedeutet, dass eine Entscheidung in der Gegenwart einen Einfluss auf Geschehnisse in der Vergangenheit haben kann. Die uns im Bereich des Physischen bekannte Zeit erschient in der Quantenwelt (der Welt der Energie) nicht zu gelten. Wheeler meinte, wenn eine Entscheidung Einfluss darauf haben kann, wie etwas in der Vergangenheit geschehen ist, dann „kann man Eigenschaften eines Ereignisses bestimmen, das bereits stattgefunden hat. Wenn das stimmt, könnte diese Erkenntnis alles verändern!

Was ist da also dran? Können unsere gegenwärtigen Entschei-dungen bestimmen, was bereits geschehen ist? Die Weisen haben uns zwar immer wieder erzählt, dass wir die Verletzungen der Vergangenheit heilen können, aber bedeutet das auch, dass wir die Umstände verändern können, die dazu geführt haben? ...
Diese Überlegungen haben zu einer weiteren Variante des (...) Experimentes geführt. Dabei stellte sich unzweifelhaft heraus, dass das Verhalten der Teilchen am Anfang des Versuchs von Ereignissen bestimmt ist, die erst stattfinden, wenn das Ereignis beendet ist. Die Gegenwart hat also tatsächlich die Möglichkeit, die Vergangenheit zu beeinflussen.
Als nächstes stellt sich natürlich die Frage, ob all dies nur auf der Quantenebene zutrifft oder ob es auch für unser Leben Bedeutung hat. Wir bestehen zwar aus Teilchen, aber vielleicht ist es unser Bewusstsein, das uns in den Ereignissen verankert, die wir als Wirklichkeit betrachten — Kriege, Leiden, Trennungen, Armut, Krankheit. Vielleicht ändern wir aber auch bereits unsere Vergangenheit, wenn wir aus unseren Fehlern lernen. Vielleicht tun wir es bereits die ganze Zeit. Vielleicht geschieht es ohne unser Wissen oder ohne dass wir es bemerken.
Vielleicht ist die Welt, wie wir sie heute wahrnehmen, so rau und grob sie auch oft erscheinen mag, bereits das in die Vergangenheit reflek-tierte Ergebnis dessen, was wir gelernt haben. Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, die diesen Gedanken zu bestätigen scheinen. Wenn das stimmt, wenn unsere Welt tatsächlich wie eine gigantische, kosmische Feedbackschlaufe funktioniert, wenn das in der Gegenwart erlernte tatsäch-lich die Vergangenheit verändern kann — welch anderes Weltbild würde sich daraus ergeben! Unsere heutige Welt wäre das Ergebnis dessen, was wir bereits gelernt haben. Vielleicht stünde es sonst noch viel schlimmer um uns. ...

Vielleicht ist es ja nur ein Zufall, dass die Hinweise auf diese Erkenntnisse aus den frühen christlichen Texten nicht mit übersetzt wurden und die in der Folge in der westlichen Kultur in Vergessenheit gerieten. Doch heute ändert sich vieles. Männer werden ermutigt, ihre Gefühle zu ehren und Frauen erkunden neue Möglichkeiten, die natürliche Kraft ihres Seins zum Ausdruck zu bringen. Gefühle und Überzeugungen sind die Sprache des göttlichen Urgrunds. Durch bestimmte Gefühle erfahren wir eine stärkende, heilende, natürliche Verbundenheit mit dem Universum. (...)

Zitiert aus:
Gregg Braden, im Einklang mit der göttlichen Matrix * das Original-Experiment kann im o.g. Buch, Kapitel 3, nachgelesen werden

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„Jesus sprach:

Erkenne, was dir vor Augen ist; und was dir verborgen ist, wird sich dir enthüllen.“
Thomas-Evangelium


Voll und ganz in jedem Augenblick leben.

Wenn wir überhaupt nichts erwarten, dann können wir wir selbst sein.
Das ist unsere Weise, voll und ganz in jedem Augenblick der Zeit zu leben.

Shunryu Suzuki


Gemütsruhe.

Gemütsruhe liegt jenseits des Endes der Ausatmung.
Wenn ihr also sanft ausatmet, ohne dass ihr auszuatmen versucht, dann
tretet ihr in die vollständige, vollkommene Ruhe eures Geistes ein.

Shunryu Suzuki


Sich selbst ganz zum Ausdruck bringen.

Es ist ein großer Fehler, zu glauben, dass der beste Weg, euch selbst zum
Ausdruck zu bringen, darin besteht, zu tun, was immer ihr wollt, euch zu
verhalten, wie es euch gefällt. Das bedeutet nicht, euch selbst zum Aus-
druck zu bringen. Wenn ihr genau wisst, was es zu tun gilt, und es dann
tut, dann könnt ihr euch selbst ganz zum Ausdruck bringen.

Shunryu Suzuki


Freut Euch des Lebens.

Der einzige Weg ist, euch des Lebens
zu freuen. Auch wenn ihr Zazen übt und wie eine Schnecke eure Atemzüge
zählt, könnt ihr euch des Lebens freuen — vielleicht mehr, als wenn ihr
eine Reise zum Mond macht. Darum üben wir Zazen. Welche Art von
Leben ihr führt, ist nicht wichtig. Das Allerwichtigste ist, das ihr euch des
Lebens freuen könnt, ohne euch von den Dingen irreführen zu lassen.

Shunryu Suzuki
Diese Darlegung wurde am 20. Juli 1969 gegeben, an dem Tag, an dem Apollo 11 auf dem Mond landete.


Eins mit Allem.

Wo immer ihr seid, ihr seid eins mit den Wolken und eins
mit der Sonne und den Sternen, die ihr seht. Selbst wenn ihr aus dem Flugzeug
springt, geht ihr nicht anderswohin. Ihr seid immer noch eins mit allem. Das ist
wahrer, als ich es sagen kann, und wahrer, als ihr es hören könnt.

Shunryu Suzuki


Seid wie reine Seide und scharfer Stahl.

Wir bereiten Seide auf, indem wir sie viele Male waschen, so dass die
Fäden weiß werden und weich genug zu m Spinnen sind. Wir härten Stahl,
indem wir ihn hämmern, während er glüht — nicht, um ihn zu schmieden
oder zu formen, sondern um ihn stark zumachen.

Shunryu Suzuki


Die Unterweisung ist für Dich allein.

Auch, wenn ihr glaubt, eure Übung sei nicht gut genug, im Moment gibt es
keine andere Übung für euch. Gut oder schlecht, es ist eure Übung.

Shunryu Suzuki (1904—1971)
Alle Darlegungen sind dem Buch „Seid wie reine Seide und scharfer Stahl“ - das geistige Vermächtnis des grossen Zen-Meisters“ entnommen

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