FAQ - Frequently Asked Questions

Oder:
Worüber man sich bei Therapie und Coaching so seine Gedanken machen könnte

Fangen wir mal umgekehrt an: Bei Fragen zum Thema Coaching darf ich Sie bitte per Klick ins Hauptmenü komplimentieren. Dort finden Sie eine dezidierte Definition von Coaching und die von mir praktizierte Vorgehensweise sowie eine entsprechende Differenzierung zu Therapie und anderen Interventionsformen. Sollten Sie schon am Überlegen sein, was von beiden vielleicht für Sie selbst richtig sein könnte, ist es sowie so an der Zeit, dass wir uns unterhalten. Dito bei allen anderen hier noch nicht oder nicht ausreichend beantworteten Fragen. Bitte nutzen Sie die unter Kontakt angebotene Möglichkeit oder rufen Sie einfach an.

Die FAQs hier beziehen sich also auf Psychotherapie: Sie ist als Begriff und als Thema vielschichtig, gesucht und gefürchtet, gelobt und bespöttelt ... wie es Dingen oft geht, denen man einiges nachsagt, über die man dann aber doch nicht so genau Bescheid weiß. Zwischen hoher Wirksamkeit und bestenfalls Placebo – die Position von Psychotherapie liegt im Auge des Betrachters: je nach Schule, Blickwinkel, Informationsstand und Erfahrung, den Behandler / die Behandlerin selbst eingeschlossen. Die angeschnittenen Themen können hier beileibe nicht umfassend bearbeitet werden, über jedes könnte man ein Buch schreiben; haben andere auch schon getan. Wir versuchen hier, mit der damit verglichen knappen Beantwortung der folgenden 30 Fragen, ein wenig Wind durch die Materie zu pusten, in der Hoffnung, dass sich alles etwas klarer setzt.

Sie können die Fragen in beliebiger Reihenfolge anklicken, um zur jeweils dazugehörigen Antwort zu gelangen:

1. Was ist Psychotherapie?
2. Ich hatte noch nie Kontakt mit Psychotherapie! Wie soll ich jetzt damit umgehen?
3. Wie weit kann ich mir eigentlich selbst helfen?
4. Woran merke ich, dass ich mir Hilfe holen sollte?
5. Wie finde ich den für mich richtigen Therapeuten?
6. Sollte ich besser zu einem Therapeuten oder zu einer Therapeutin gehen?
7. Wie verläuft eine Psychotherapie?
8. Wie lange dauert eine Therapie?
9. Welches sind die wichtigsten Formen von Psychotherapie?
10. Für welche Anliegen kann Psychotherapie geeignet sein?
11. Was darf ich von Psychotherapie erwarten – und was nicht?
12. Kann ich mir die für mich geeignete Therapie aussuchen?
13. Kann ich die Therapieart oder den Therapeuten wechseln?
14. Worauf sollte ich beim Erstgespräch in einer psychotherapeutischen Praxis achten?
15. Wer alles bietet Psychotherapie an? Wie sind die Unterscheidungen?
16. Welche anderen Stellen gibt es, bei denen ich mir Rat holen kann?
17. Wann ist der richtige Zeitpunkt, sich um Therapie zu kümmern?
18. Kann ich selbst Angehörigen oder Freunden empfehlen, sich in therapeutische Obhut zu begeben?
19. Kann ich selbst erkennen, ob mein Kind eine Psychotherapeutische Behandlung benötigt?
20. Gibt es für Kinder und Jugendliche andere Therapeuten als für Erwachsene?
21. Wie sieht es aus mit Vertraulichkeit, Verschwiegenheit, Anonymität?
22. Ich nehme nur sehr ungern Medikamente ein; Kann es sein, dass ich Psychopharmaka nehmen muss?
23. Ist Selbstmedikation mit Naturheilmitteln sinnvoll?
24. Kriterien für ambulante Therapie
25. Kriterien für stationäre Therapie
26. Was kostet Psychotherapie? Wie sieht es mit Zuzahlung aus?
27. Haben Selbstzahler Wirklich Vorteile?
28. Was kann ich tun? Mein Kontingent an Therapiestunden ist ausgeschöpft
29. Kann Psychotherapie auch schaden?
30. Ausblick: Was ist für die Zukunft zu erwarten?

1. WAS IST PSYCHOTHERAPIE?
Es gibt sehr viele Definitionen, die jeweils viel von ihrem Hintergrund und Ursprung widerspiegeln. Das Wort selbst kommt aus dem Griechischen (psychoherapía – Heilen der Seele); die P. befasst sich mit der Behandlung von Menschen, die unter geistig-seelischen oder seelisch-körperlichen (psychosomatischen) Befindlichkeiten leiden. Ich möchte Ihnen hier die Definition von Hans Strotzka (1975) anbieten, da mir diese verhältnismäßig wenig widerstrebt (Definitionen können außerhalb von Fachkreisen als sehr unfein und verletzend aufgenommen werden). Strotzka also definiert Psychotherapie so (Auszug): „P. ist ein geplanter, interaktioneller Prozess zur Beeinflussung von Erlebnis- und Verhaltensstörungen und den daraus resultierenden Leidenssituationen, die vereinbarungsgemäß (zwischen Patient und Therapeut) für behandlungsbedürftig gehalten werden; die Psychotherapie verwendet ausschließlich psychologische Mittel (meist verbaler Art) und ist gerichtet auf ein möglichst gemeinsam definiertes Ziel (Symptomminimierung, kompetenter Umgang mit der Störung durch den Patienten bzw. Strukturveränderung der Persönlichkeit) unter Anwendung lehrbarer Techniken, die auf Theorien über sog. normales und abnormes Erleben und Verhalten basieren. Erfolgreiches psychotherapeutisches Handeln erfordert i.d.R. eine tragfähige Beziehung zwischen Patient und Therapeut.“ Therapie wird Sie ermutigen, Ihre Gefühle ernst zu nehmen; sie wird Ihnen auch helfen, Ihre zwischenmenschlichen Beziehungen zu ordnen. Therapie wird – und darf – Ihnen aber nicht die Verantwortung für Ihr Leben abnehmen.

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2. ICH HATTE NOCH NIE PSYCHOTHERAPIE! WIE SOLL ICH JETZT DAMIT   UMGEHEN?
Vielleicht sind Sie ein wenig erschrocken, als jemand – wahrscheinlich Ihr Arzt oder Ihre Ärztin – Ihnen empfahl, sich nach einem Psychotherapieplatz umzusehen. Andererseits wissen Sie ja, aus welchem Grund diese Empfehlung ausgesprochen wurde und möchten die Ursache dafür wohl schon gern beseitigen. Aber es ist natürlich ungewohnt und vielleicht ein bisschen unheimlich, sich vorzustellen, nun eine psychotherapeutische Praxis betreten zu sollen. Vielleicht denken Sie, dass dies ein Schritt in die falsche Richtung wäre? (Dass mir das auch noch passieren muss! Was hab´ ich bloß falsch gemacht?) Und Sie sind auch nicht gerade sehr davon überzeugt, dass Ihnen damit geholfen werden kann? (Man hört ja so viel! Und was ist eigentlich, wenn meine Freunde, Kollegen, die Familie davon erfahren? Was werden die von mir denken?) Vielleicht sind Sie im Augenblick sowieso etwas empfindlicher als sonst – und solche Gedanken sind nicht wirklich ermunternd.

Wenn Sie jedoch bis hierher gelesen haben, dann atmen Sie bitte ein paar Mal tief durch und lesen Sie diese Rubrik erst einmal ganz in Ruhe weiter – noch sind Sie an einem bekannten Ort und nicht der Praxis. Wenngleich Sie versichert sein können, dass Sie auch dort einen sicheren Raum vorfinden werden. Ganz wichtig für Ihre gute Einstellung zu dem, was dann kommt, ist die inzwischen auch nachweisbare Tatsache, dass die Inanspruchnahme von Psychotherapie heute nicht mehr mit einem Stigma gleichzusetzen ist. Mit einem gebrochenen Bein würden Sie ohne Zögern das nächste Krankenhaus aufsuchen und in die notwendige Behandlung einwilligen – Sie wollen ja wieder laufen können. Und heute: Sie möchten Ihr seelisches Wohlbefinden und Ihre Lebensqualität wieder erlangen – nutzen Sie Ihre Möglichkeiten ohne Bedenken.

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3. WIE WEIT KANN ICH MIR EIGENTLICH SELBST HELFEN?
Wenn Sie es genau nehmen wollen, können Sie sich immer (auch) selbst helfen. Sie können auf sich achten im Sinn von Prophylaxe. Sie können sich ein Bewusstsein dafür erarbeiten, die verschiedenen Stimmungen, denen Sie unterliegen, zutreffend und zufriedenstellend zu interpretieren und gezielt an sich oder auch mit sich arbeiten, um kleinere „Unebenheiten“ auszugleichen. Sie können in den zahlreichen einschlägigen Ratgebern nachlesen, was von den Mitteln, die Reformhaus und Apotheke – oder Ihr eigener Garten – für oder gegen etwas, womit Sie sich gerade beschäftigen, hilft. Oft reicht das schon, auch deshalb, weil Sie dann aufmerksam und achtsam für sich sorgen. Aufmerksamkeit und Achtsamkeit sind sehr wichtige Stichworte: behalten Sie sie unbedingt bei, damit Sie leicht bemerken, wenn Ihre Maßnahmen einmal statt zu entlasten nur überdecken und ablenken. Das ist eine der Gefahren bei der Selbsthilfe – neben dem Irrglauben, rezeptfreie, natürliche Mittel seien ohne Nebenwirkung! ALLES, was wirkt hat auch „Nebenwirkungen“ – Effekte, die nicht unbedingt „schlimm“ sein müssen, die jedoch nicht beabsichtigt sind. Auch bei rezeptfreien Naturheilmitteln – die Sie sich also ohne fachlichen Rat selbst „verschreiben“ und kaufen können – kann die Wirkung in die falsche Richtung gehen. Wenn Sie sich diese aber Frage schon stellen, dann beachten Sie bitte die Antwort auf die nächste Frage! Und: Wenn Sie Ihre Befindlichkeit über längere Zeit verschleiern oder ignorieren, begeben Sie sich in die Gefahr der Chronifizierung!

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4. WORAN MERKE ICH, DAS ICH MIR HILFE HOLEN SOLLTE?
Zu dieser Frage habe ich bereits im Hauptmenü Stellung genommen. Bitte klicken Sie auf diesen Satz: Wann kann oder sollte sich jemand einer psychotherapeutischen Intervention unterziehen? Vielleicht hilft Ihnen auch die folgende Aufstellung von Befindlichkeiten weiter; wenn davon etwas Sie zutrifft, sollten Sie unbedingt Rat einholen!!

Sie fühlen sich ständig überfordert, kommen sich allein gelassen und eingeengt vor. Es müssen keine weiteren spezifischen Beschwerden vorliegen; wenn Sie unter einem solchen Zustand leiden, kann dies schon der Hinweis auf eine ernst zu nehmende psychische Problematik sein.

Sie haben immer wiederkehrende Probleme mit nahestehenden Menschen, Sie leiden unter zwischenmenschlichen Problemen am Arbeitsplatz, Ihre Leistungskraft ist erkennbar geschwächt, Sie sind niedergeschlagen, auch eigentlich fröhliche Ereignisse und Begegnungen oder liebevolle Überraschungen können den Schleier nicht heben; Sie haben das Gefühl, sich nicht freuen zu können, obwohl Sie sich genau erinnern, dass das früher anders war.

Sie fühlen sich ängstlich; plötzliche Angstanfälle verunsichern Sie, Sie gehen nur noch ungern aus dem Haus und zu gesellschaftlichen Ereignissen. Bestimmte Situationen erschrecken Sie nur bei dem Gedanken daran und Sie setzen alles daran, solche Situationen zu vermeiden.

Sie bemerken, dass Sie wie getrieben bestimmte Handlungen (Hände waschen, Türschlösser überprüfen, andere Rituale), von denen Sie wissen, dass sie eigentlich nicht nötig sind, ständig wiederholen, so dass es lästig wird und anderen Menschen evtl. auffällt.

Sie spüren häufig ohne eigentlichen Anlass Wut in sich aufsteigen und wissen nicht, wohin damit; Sie haben das Gefühl, immer weniger Menschen vertrauen zu können, und sind davon überzeugt, dass Nachbarn oder Kollegen ständig Streiche auf Ihre Kosten aushecken.

Sie fürchten sich, krank zu werden – oder krank zu sein und es nicht zu wissen ... Sie haben (mehrere?) körperliche Beschwerden, Ärzte, die Sie aufsuchen, können keinen „befriedigenden“ Befund feststellen.

Sie wissen, dass Sie zu viel Alkohol zu sich nehmen – oder andere Substanzen. Sie leiden, wenn Sie keinen Nachschub erhalten können. Das wäre ganz klar ein Krankheits-Symptom. Lassen Sie sich bitte unbedingt helfen!

Sie haben zweifelsfrei seit einer Weile Untergewicht oder sie leiden unter Essattacken ... auch dies kann ein deutlicher Hinweis auf ein behandlungsbedürftiges Problem sein.

Wenn jemand den Wunsch oder die Absicht äußert, sich das Leben nehmen zu wollen, BITTE NEHMEN SIE EINE SOLCHE ÄUSSERUNG ERNST – AUCH VON SICH SELBST!! Holen Sie Hilfe, für sich selbst und /oder für die anderen. Die Äußerung des Wunsches, nicht mehr leben zu wollen, ist ein sehr ernst gemeinter Hilferuf nach Veränderung. Falls Sie selbst solche Gedanken haben: grübeln Sie nicht länger, sondern suchen Sie eine Person Ihres Vertrauens auf und sprechen Sie!

Schauen Sie unter Punkt 15 und 16 und lassen Sie sich bitte helfen. Selbstverständlich können Sie auch meine Praxis kontaktieren.

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5. WIE FINDE ICH DEN FÜR MICH RICHTIGEN THERAPEUTEN?
Jeder therapeutisch arbeitende Behandler wird Ihnen zunächst wenigstens ein Orientierung- oder Erstgespräch ermöglichen; das ist dann gewöhnlich die erste Gelegenheit, Ihren Therapeuten / Ihre Therapeutin persönlich kennen zu lernen – und umgekehrt! Wenn Sie möchten, schauen Sie in dieser Website unter Praxis nach, wie ich das handhabe. Die sogenannten probatorischen Sitzungen, in denen Sie und der Therapeut ausprobieren können, ob beide finden, die Therapie könnte fruchten, sind in dem Therapievorschlag, den Sie von mir ggf. erhalten, als solche gekennzeichnet. Hören Sie auf Ihre Intuition, die Chemie muss schon stimmen. Jedoch: nicht immer ist derjenige Therapeut der beste für Sie, bei dem Sie sich „gemütlich zurücklehnen können“. Je nach therapeutischem Vorhaben kann es durchaus wichtig und richtig sein, wenn Sie spüren, dass es etwas unbequem werden könnte – ggf. geht es z.B. ja auch darum, sich mit dem Praktizieren neuer Verhaltensweisen anzufreunden, was schon eine gewissen Stringenz erfordert – von beiden Seiten übrigens! Sie sollten Ihren Therapeuten / Behandler ruhig fragen, was immer Sie im Zusammenhang mit Ihrem Vorhaben interessiert. Prüfen Sie sich, ob Sie Vertrauen schöpfen können. Und seien Sie nicht überrascht von folgendem Statement: Manchmal ist die angewandte Therapiemethode erst in zweiter Linie für den Behandlungserfolg ausschlaggebend; das Verhältnis zwischen Therapeut und Klient kann durchaus einmal vorrangig sein. Dies herauszufinden, braucht etwas Geduld und Fingerspitzengefühl von beiden Seiten – und ich wünsche Ihnen Erfolg dabei!!
Es gibt selbstverständlich noch andere Kriterien, die bei der Wahl der zu besuchenden Praxis wichtig sind: Wie wird abgerechnet (Kassenzulassung / Privatpraxis?) – sehen Sie hierzu bitte auch die Fragen 26 bis 28. Wo liegt die Praxis? Kann man dort parken? Wie sind die Sprechzeiten? Und wenn Sie dort waren: Fühle ich mich in den Räumen wohl? Kann ich mir vorstellen, für die nächsten Wochen oder Monate dort regelmäßig Sitzungen zu haben?

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6. SOLLTE ICH BESSER ZU EINEM THERAPEUTEN ODER ZU EINER   THERAPEUTIN GEHEN?
Grundsätzlich gibt es hier weder falsch noch richtig. Ihre Entscheidung für einen Therapeuten oder eine Therapeutin hängt in der Hauptsache von Ihnen selbst ab. Vertrauen Sie sich als Mann lieber einem Mann und als Frau lieber einer Frau an? Vielleicht hängt die Entscheidung auch von Ihrem persönlichen Anliegen ab? Es kann beispielsweise durchaus sein, dass Sie sich bei der einen Therapeutin aufgehoben fühlen, bei einer anderen nicht so sehr, das gleiche kann bei der männlichen Variante passieren, unabhängig davon, ob Sie selbst ein Mann oder eine Frau sind. Man könnte vermuten, dass sich ein Mann mit einem typischen männlichen Anliegen auch bei einem männlichen Therapeuten wohler fühlt als bei einer Therapeutin. Und umgekehrt. Möglicherweise ist es oft auch so. Aber: das ist kein Gesetz und keine Vorschrift. Machen Sie zwei Dinge: hören Sie in sich hinein und probieren Sie es aus. Jeder vernünftige Therapeut/in wird Ihnen die Möglichkeit zu mehreren Probesitzungen geben. Wenn Sie Ihr Anliegen gut gelöst haben wollen, sollte Ihnen das ein wenig Aufwand wert sein. Es gibt übrigens auch Therapeut/Innen, die ausschließlich entweder Männer oder Frauen behandeln. Fragen Sie!

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7. WIE VERLÄUFT EINE PSYCHOTHERAPIE?
An dieser Stelle können wir lediglich auf die äußere Struktur schauen – inhaltlich und von der Vorgehensweise gleicht keine „Therapie“ der anderen, selbst, wenn es sich um das gleich Therapieverfahren handelt und das gleiche Anliegen. Üblich ist folgende Reihenfolge (von der natürlich wieder fallbezogen Abweichungen nicht selten sind): Nachdem sie sich für einen Therapeuten oder eine Therapeutin entschieden haben, vereinbaren Sie ein Erstgespräch. Hier wird Ihr Problem zunächst soweit durchleuchtet, dass festgestellt werde kann, ob Psychotherapie überhaupt geeignet ist, Ihrem Anliegen zu begegnen. Ist dies der Fall, werden sogenannte probatorische Sitzungen vereinbart (ca. vier bis acht in Abhängigkeit Ihres Anliegens, der anzuwendenden Methode und dem Zusammenspiel zwischen Ihnen und dem Behandler). In diesen Sitzungen erproben Sie und Ihr Therapeut, ob Sie zusammen arbeiten können. Stellen Sie übereinstimmend fest, dass dies offenbar erfolgversprechend geschieht oder auch schon einzelne Erfolge erbracht hat, werden Sie beschließen, den Therapieplan gemeinsam abzuarbeiten. In meiner Praxis erhalten Sie nach der ersten oder zweiten Sitzung einen Therapievorschlag, aus dem Sie Vorgehensweise, die voraussichtliche Therapiedauer, konkrete Erwartungen an Ihre Mitarbeit und die Kosten so genau, wie zu diesem Zeitpunkt erfassbar, ersehen können. Zwischenstopps zum Überprüfen des Stands der Dinge werden terminiert und eingebaut. Die Sitzungsfrequenz, also wie viele Sitzungen pro Woche oder pro Monat sinnvoll sind, ist vom Anliegen und der Therapieform abhängig (siehe auch: nächster Punkt).

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8. WIE LANGE DAUERT EINE THERAPIE?
Diese Frage ist schwierig, auf keinen Fall pauschal, zu beantworten. Das Anliegen, die Therapieform, die Qualität der Zusammenarbeit zwischen Ihnen und dem Therapeuten / der Therapeutin sowie Ihr Ansprechen auf die Therapie sind die Hauptfaktoren, die für die Dauer einer Psychotherapie (ich spreche hier ausschließlich von ambulanten Therapien) verantwortlich sind. Bei Anliegen, denen mit einer Kurzzeit-Intervention (Kriseninterventionen beispielsweise) begegnet werden kann, können bereits drei bis sechs Sitzungen zum erfreulichen Erfolgen führen. Generell unterscheidet man zwischen Kurzzeit-Therapien mit ca. 25 Sitzungen (während eines halben Jahres) und Langzeit-Therapien, die ein bis zwei Jahre und länger dauern können. Diese Kriterien sind allerdings auch, in vielen Fällen sogar hauptsächlich, von den Erstattungsmodi der Krankenkassen geprägt und haben nicht immer etwas mit den tatsächlichen Erfordernissen zu tun. Das ist bedauerlich und nicht förderlich für den Erfolg von Therapie.

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9. WELCHES SIND DIE WICHTIGSTEN FORMEN VON PSYCHOTHERAPIE?
Insgesamt gibt es eine fast unübersehbare Vielzahl von Schulen, Methoden und Verfahren, historisch relevante und aktuelle, Weiter- und Neuentwicklungen, wissenschaftlich überprüfte Ansätze und natürlich auch nicht wissenschaftlich überprüfte, wenn auch erprobte. Und in Deutschland gibt es leider nur drei Richtungen, die von unseren Krankenkassen anerkannt sind und in gewissem Rahmen bezahlt werden (aus der Diskussion darum und darüber möchte ich mich heraushalten): (1) Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, (2) Analytische Psychotherapie und (3) Verhaltenstherapie, jeweils mit mehreren Spezialrichtungen und –ausprägungen. Welche Therapie wann mit Aussicht auf Erfolg einzusetzen ist, hängt von mehreren Faktoren ab, die aus den Kurzerläuterungen nachfolgend teilweise schon hervorgehen. Leider sind unter den erfolgversprechenden Methoden auch sehr viele derer, die vom Gesundheitssystem noch nicht anerkannt sind. Zu Ihrer Orientierung folgt hier eine grobe Gliederung der Psychotherapie- und Selbsterfahrungsmethoden - ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Psychoanalytische Methoden (Langzeittherapien) und Tiefenpsychologisch fundierte (mittelfristige) Methoden beschäftigen sich mit unbewussten Seelenwelten und gehen meist bis auf Sigmund Freud und dann auf seine Schüler (Alfred Adler und Carl Gustav Jung) und in der Folge auch auf andere zurück. Wir finden hier Einzel- und Gruppentherapien, sowohl für Erwachsene als auch für Kinder und Jugendliche und tiefenpsychologische Ansätze in der Familientherapie (Horst-Eberhard Richter)

Verhaltenstherapeutische Methoden beherbergen ein Spektrum von Therapieformen, bei denen es hauptsächlich um das Erkennen und die Änderung von Verhaltensmustern geht; in neuerer Zeit gibt es auch verhaltenstherapeutische Ansätze, die nicht die Veränderung von Verhalten, sondern die Akzeptanz und Integration schwieriger Lebensumstände (Krankheit zum Beispiel) zum Ziel haben und als Zweig der Achtsamkeitstherapien eingeordnet werden. Sogenannte operante Verhaltenstherapeutische Verfahren haben eine Verhaltensmodifikation und die Kontrolle der Verhaltenskonsequenzen zum Ziel; Konfrontations- und Bewältigungsverfahren verhelfen zur Kontrolle der Reaktionen auf äußere Einflüsse (Stimulus-Kontrolle), Kognitive Ansätze und Bewältigungstraining beschäftigen sich mit Ärger, Stress, Angst, Schmerz und Schwierigkeiten in der Problemlösung. Auch das Training verschiedener sozialer Kompetenzen geschieht oft mit verhaltenstherapeutischen Methoden.

Humanistisch-existenzielle Methoden: Die humanistische Psychologie versteht sich als dritte Kraft (Achtung: die Krankenkassen zählen anders!) neben der Tiefen- und Verhaltenspsychologie – sie betrachtet den Menschen als Ganzes. Hierunter finden wir Existenzanalyse und Logotherapie (nach Victor Frankl und Nachfolgern), die gestalttheoretische Psychotherapie, die Integrative Gestalttherapie, die Gesprächspsychotherapie resp. Personenzentrierte Psychotherapie (nach Carl Rogers), das Psychodrama (Moreno), Strukturbezogene Psychotherapie (Prof. Dr. Gerd Rudolf) und einige andere.

Systemische Methoden, z.B. die Lösungsfokussierte Therapie (nach Steve de Shazer, Insoo Kim Berg) und verschiedene Familientherapien und Aufstellungsmethoden inkl. Organisations- und Teamaufstellungen.

Körperorientierte Methoden. Körpertherapien und Körperpsychotherapien behandeln persönliche und mancherorts noch als neurotisch bezeichnete Probleme, indem sie deren Bewältigung und Aufarbeitung durch die Behandlung des Körpers einleiten. Hierunter zählen unter anderen: Festhaltetherapie, Strukturelle Körpertherapie, verschiedene Atemtherapien, die Feldenkrais-Therapie.

Weitere Methoden, die teilweise auch nichts mehr mit der Beseitigung von problematischen Anliegen, sondern mit Wohlbefinden und / oder Stressprophylaxe zu tun haben oder therapieunterstützend eingesetzt werden: Neuro-Linguistische Psychotherapie / Neurolinguistisches Programmieren (NLP), Selbsterfahrungsgruppen mit unterschiedlichen Zielrichtungen, Entspannungsmethoden (Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung (nach Jacobson), verschiedene Formen des Yoga, Meditation

Sonstige und Komplementäre Methoden: Musiktherapie, Tanztherapie, Spirituelle Psychotherapie, Kunsttherapie, Reit-Therapie, andere tiergestützte Therapien.

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10. FÜR WELCHE ANLIEGEN KANN PSYCHOTHERAPIE GEEIGNET SEIN?
Zu diesem Thema schauen Sie am besten zunächst in das Hauptmenü, und zwar in den Prolog zu „MODERNE PSCHOTHERAPIE“. Vielleicht ist hiermit Ihre Frage bereits beantwortet, Orientierung liefert auch die Punkte 4 und 9. Der allgemeinen Psychotherapielehre, die besagt, wie und bei welchen Anliegen welche Methode wirkt, werden zunehmend störungsspezifische Überlegungen zur Seite gestellt, die ganz besonders der Betrachtung der Eigenheiten und der Persönlichkeit des Patienten oder Klienten und den sich daraus ergebenden Abweichungen von „Regeln“ Rechnung tragen. Das heißt im Klartext: man kann bei einem Anliegen unter Berücksichtigung der Person des Klienten mit Recht und Erfolgserwartungen sehr oft ganz unterschiedliche Methoden anwenden. Trotz intensiver Wirksamkeitsforschung in der Psychotherapie sind noch längst nicht alle Fragen zur Wirksamkeit beantwortet, ja, es gibt noch nicht einmal ein allgemeingültiges Kriterium für „Wirksamkeit“! Methode und Wirksamkeit sind Begriffe, deren Einschätzung von vielen Faktoren beeinflusst wird – schauen Sie bitte auch auf den nächsten Punkt.

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11. WAS DARF ICH VON PSYCHOTHERAPIE ERWARTEN – UND WAS NICHT?
Fangen wir damit an, was Sie nicht von Psychotherapie erwarten sollten: Sie ist kein „Konsumartikel“ und keine Einbahnstraße. Sie können also NICHT Psychotherapie – egal, welche Methode – nur einfach an sich heranlassen und denken, das sei genug. Bei jeder Therapiemethode kommt es entscheidend auf Ihre aktive Mitarbeit an, die jedoch von Methode zu Methode unterschiedlich definiert ist. Es ist für den Erfolg entscheidend, dass Sie der Methode zustimmen, mit Ihrem Behandler / Ihrer Behandlerin ZUSAMMEN arbeiten und in der Lage sind, Vertrauen in diese Zusammenarbeit zu entwickeln. Dann sollten Sie nach einer Weile Erleichterung erfahren können. Vielleicht wird Ihnen geraten werden, einige Verhaltensweisen zu modifizieren oder ein während der Therapie eingeübtes neues Verhalten auch später beizubehalten. Es kann auch sein, dass Ihrem Beschwerdebild eine persönliche Veranlagung zugrunde liegt, die nicht oder nur sehr schwer veränderbar ist. Sie werden dann in der Therapie lernen, wie Sie am besten mit dieser Veranlagung zurecht kommen und was Sie prophylaktisch tun können, um Verschlimmerungen oder Rückfälle abzufangen. Es soll Ihnen auf jeden Fall nach Therapieende besser gehen. Sie können jedoch auf keinen Fall Garantien erwarten oder gar verlangen ... ein seriöser Therapeut wird sie Ihnen nicht geben! Ihr Behandler / Ihre Behandlerin wird ausführlich mit Ihnen besprechen, wie Ihre realistischen Chancen auf eine nachhaltige Besserung aussehen und was man ggf. an den Rahmenbedingungen verändern kann, um dieses Ziel zu erreichen oder leichter zu erreichen. Eine Therapie ist gut, wenn sie zu klaren Verbesserungen Ihres subjektiven und objektiven Befindens führt. Natürlich ist es schön, wenn dies auch noch möglichst schnell geschieht, das kann aber kein ausschlaggebendes Kriterium sein. Prüfen sie besser Ihr eigenes Gefühl dahingehend, ob sich ein Fortschritt zeigt, ob Sie merken, dass Sie voran kommen.

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12. KANN ICH MIR DIE FÜR MICH GEEIGNETE THERAPIE AUSSUCHEN?
Die vorangegangenen Fragen lassen schon durchblicken, dass Sie in einem bestimmten Umfang sogar Einfluss nehmen sollen, wenn es um die Auswahl der für Sie und Ihr Anliegen geeigneten Therapieform geht. Im Orientierungsgespräch und ggf. noch während der probatorischen Sitzungen werden Sie und Ihr Therapeut herausfinden, ob in dieser Praxis geeignete Methoden zur Verfügung stehen und welche zu Ihnen persönlich und zu Ihrem Anliegen passen. Vertrauen Sie darauf, dass man Ihnen sagen wird, wenn Sie in einer anderen Praxis – und in welcher Art von Praxis – ggf. besser betreut werden können. Ihr Anteil an dieser Phase ist Offenheit, auch gegenüber Dingen, sie Sie vielleicht nicht kennen. Sie sollten jedoch vor Beginn einer Intervention genau erklärt bekommen, warum was unternommen wird. Fragen Sie nach, wenn Ihnen etwas unklar ist oder unangenehm wird. Drücken Sie sich möglichst deutlich aus, wenn Sie nach Ihrem Befinden gefragt werden. Das ist Ihr Part bei der Auswahl des / der für Sie geeigneten Therapieverfahren.

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13. WANN KANN ICH DIE THERAPIEFORM ODER DEN THERAPEUTEN    WECHSELN?
Sie können beides wechseln, selbstverständlich. Sie sollten dabei folgende Überlegungen anstellen: Die Therapieform, der Sie sich unterziehen, ist, davon gehe ich aus, sorgfältig erwogen und mit Ihnen besprochen worden, deshalb haben Sie eingewilligt. Wenn Sie nun den Wunsch haben, die Therapie zu wechseln, muss sich an den Ausgangsfakten etwas geändert haben: Besprechen Sie dies mit Ihrem Therapeuten / mit Ihrer Therapeutin. Bedenken Sie bitte, dass es während einer Therapie vorkommen kann, dass es eine schwierige Phase gibt. Da kann schon einmal der Wunsch aufkommen, es nicht so schwer zu haben. Besprechen Sie das gründlich und am besten umgehend, wenn ein solches Gefühl in Ihnen aufkommt. Sie selbst und Ihr Therapeut haben viel Mühe aufgewendet, eine Anamnese zu erstellen und ein Behandlungskonzept zu entwickeln – das sollte es schon wert sein, gründlich zu überprüfen, ob wirklich ein Therapiewechsel die richtige Lösung für das augenblickliche Problem ist. Wenn dies jedoch wirklich der Fall ist – selbstverständlich sollte dann nach einer besser akzeptierbaren Therapieform geschaut werden. Ähnlich verhält es sich, wenn Sie den Wunsch nach einem Therapeutenwechsel verspüren. Sie werden Ihre Gründe dafür haben. Sprechen Sie sie bitte offen an. Normalerweise begrüßen es Therapeuten, wenn ihre Klienten ein gutes, offenes Verhältnis zu ihnen haben und meist vereinbaren sie auch Signale und Zeichen für den Fall, dass etwas nicht rund läuft, damit schnell Klärung herbeigeführt und der Therapieprozess wieder unbelastet fortgeführt werden kann. Ohne Zweifel gibt es jedoch auch Situationen, die durch irgendetwas verfahren sind ... wenn es nach entsprechenden Bemühungen beiderseits nicht gelingen kann, sie zu entwirren, müssen Sie sich neu orientieren. Wenn Sie, was ich sehr hoffe, in einer solchen Situation friedlich auseinander gehen, wird Ihnen Ihr Therapeut auch bei der Neuorientierung helfen. Sie haben ja während der ersten Sitzungen beiderseits die Möglichkeit eingebaut, frei zu entscheiden, ob Sie die Zusammenarbeit fortsetzen möchten oder nicht. Es wird auch jetzt klares Ziel sein, dass Sie eine Lösung für Ihre nicht zufriedenstellende Befindlichkeit herbeiführen können.

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14. WORAUF SOLLTE ICH BEIM ERSTGESPRÄCH IN EINER    PSYCHOTHERAPEUTISCHEN PRAXIS ACHTEN?
Das Erstgespräch dient dem persönlichen Kennenlernen zwischen Ihnen und dem Therapeuten / Behandler. Das gilt natürlich für beide Seiten und so sollten Sie das auch angehen. Beschreiben Sie so genau, wie es Ihnen möglich ist, warum Sie die Praxis aufsuchten. Fragen Sie, was Sie fragen möchten: Nach der Motivation des Therapeuten, therapeutisch zu arbeiten, zum Beispiel, thematische oder organisatorische Fragen (zum Beispiel auch zur Abrechnung), Fragen zu den in dieser Praxis angewendeten Therapien. Und fragen Sie sich selbst: fühlen Sie sich in dieser Praxis sicher und aufgehoben? Können sie sich vorstellen zum Therapeuten / zur Therapeutin Vertrauen zu fassen und sich auf den noch zu erarbeitenden Therapieplan einzulassen? Der Therapeut wird sich sinngemäß die gleichen Fragen stellen: Ob er/sie sich vorstellen kann, mit Ihnen zu arbeiten? Ob er sich zutraut, Ihnen eine hilfreiche Therapie geben zu können und ob er Ihnen die notwendige Mitarbeit zutraut? Sie werden eine Vielzahl von Fragen beantworten und auch frei erzählen, damit der Therapeut Sie immer besser kennenlernt und die für Anamnese und Therapie notwendigen Informationen erhält. Haben Sie den Eindruck, der Therapeut nimmt sich ausreichend Zeit für Sie und widmet sich ihnen ganz? Können die Sitzungstermine so gelegt werden, dass es für Sie machbar ist? Können Sie andererseits sicherstellen, regelmäßig und pünktlich zu den Sitzungen zu kommen? Sie haben genau das gleiche Interesse, alle Fragen beantwortet zu bekommen, wie Ihr Therapeut, denn Sie möchten beide eine wirksame, erfolgreiche Therapie beginnen, in deren Vorfeld Klarheit herrschen sollte.

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15. WER ALLES BIETET PSYCHOTHERAPIE AN? WIE SIND DIE    UNTERSCHEIDUNGEN?
Es gibt vier Berufe, die – wenn auch mit unterschiedlichen Ausprägungen und Befugnissen - Psychotherapie anbieten dürfen:

den Neurologen; Facharzt, zuständig für die organische Behandlung des Nervensystems (Klinik oder Praxis)

den Psychiater; Facharzt, zuständig für die medikamentöse Behandlung psychischer Erkrankungen (Klinik oder Praxis)

den psychologischen Psychotherapeuten; Diplomierter Psychologe mit therapeutischer Zusatzausbildung, zuständig für die nicht-medikamentöse Therapie von psychischen Störungen (Klinik oder Praxis)

den Heilpraktiker Psychotherapie; so gut wie nie als Erstberuf anzutreffen, diese Menschen haben oft eine ganz persönliche Motivation, sich irgendwann im Lauf ihres Lebens für diesen Beruf zu entscheiden und die erforderlichen Schritte zu unternehmen; sie arbeiten meist mit sehr hohem Verantwortungsbewusstsein, dürfen sich jedoch nicht Psychotherapeuten nennen, obwohl sie psychotherapeutisch arbeiten (das allerdings dürfen sie nur, wenn es amtlich erlaubt ist! Sie können Ihren Behandler ggf. danach fragen!). Erfahrungsgemäß bieten sie eine Vielfalt an interessanten therapeutischen Interventionsmöglichkeiten (Praxis)

Schauen Sie in Ihr Telefonbuch oder in Brancheninformationen Ihrer Region oder gleich ins Internet. Unter den entsprechenden Rubriken dort finden Sie Zusammenstellungen von Ärzten und Therapeuten aller Couleur. Manche Gesundheitsämter geben über Therapeuten Auskunft (nicht alle!). Krankenkassen haben für Sie nicht sehr informative, jedoch meist (wenn kürzlich aktualisiert) vollständige Listen von Ärzten und Therapeuten, die über sie abrechnen – das sind, wie Sie wissen, aber nicht alle! Sie können auch einmal im Bekanntenkreis herum hören: Manchmal (nicht immer!) ist die Erfahrung / Empfehlung von jemandem, der schon in einem bestimmten Wartezimmer gesessen hat, Gold wert.

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16. WELCHE ANDEREN STELLEN GIBT ES, BEI DENEN ICH MIR RAT    HOLEN KANN?
Diakonie und Caritas sind gute Anlaufstellen, um Hilfe in ganz verschiedenen Bereichen – auch für Familien - anzubahnen und zu erhalten, oft auch, was Therapie anbelangt. In Branchenbüchern oder gleich im Internet finden Sie auch lokale Arbeitsgruppen, die sich ordnend mit Ihrem Anliegen beschäftigen können; wenn Sie schon in Therapie waren, sind vielleicht Selbsthilfegruppen für die verschiedensten Anliegen gut für Sie. Wenn Sie gar nicht weiterkommen, rufen Sie Ihre Stadtverwaltung an – mit etwas Geduld ausgestattet, können Sie auch auf diesem Weg zu hilfreichen Informationen kommen.

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17. WANN IST DER RICHTIGE ZEITPUNKT, SICH UM THERAPIE ZU KÜMMERN?
Die Literatur sagt, es dauere durchschnittlich sechs bis acht Jahre, bis ein Mensch, der psychotherapeutische Behandlung bräuchte, sie auch erhält. Oder sie sich endlich holt. Die gleiche Quelle sagt jedoch auch, dass die latente Therapiemotivation überraschend hoch ist – die Diskrepanz zwischen Motivation und Umsetzung könne nur in mangelnder Aufklärung und Information liegen. Dem wollen wir hier natürlich entgegen handeln! Grundsätzlich ist es weniger strapazierend für den Betroffenen, wenn er / sie möglichst früh, nachdem sich Vorboten oder Zeichen gezeigt haben, in professionelle Hände begibt. Bitte sehen Sie hierzu auf jeden Fall Punkt 4 (WORAN MERKE ICH, DASS ICH, DASS ICH MIR HILFE HOLEN SOLLTE). Wenn Sie früh mit einer Behandlung beginnen, ist Ihre Chance groß, dass sich noch keine oder nur wenige Gewohnheiten verfestigt haben, die mit Ihrer Befindlichkeit zusammen hängen. Sie haben die Chance, dass sich in Ihrem Umfeld noch keine Anpassungen manifestiert haben, deren Beseitigung resp. Rückführung nach einem längeren Zeitraum schwieriger wäre. Und es ist so gut wie sicher, dass Sie auch kürzere und / oder weniger einschneidende Therapien durchleben müssten. Bitte achten Sie auf sich, beobachten Sie auch kleinste Veränderungen darauf, ob sie Sie einschränken oder ob Sie darunter zu leiden beginnen! Seien Sie achtsam! Wenn Sie nicht weiter kommen, vereinbaren Sie ein Orientierungsgespräch mit einem Therapeuten Ihres Vertrauens, schon das kann der - wenigstens vorläufigen – Klärung dienen.

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18. KANN ICH SELBST ANGEHÖRIGEN ODER FREUNDEN EMPFEHLEN, SICH IN    THERAPEUTISCHE OBHUT ZU BEGEBEN?
Dies ist ein wirklich heikler Punkt. Natürlich gibt es ganz offensichtliche Befindlichkeiten, bei denen sich niemand unangenehm berührt fühlen würde, wenn einem die Inanspruchnahme von Psychotherapie angeraten wird: Nach Unfällen oder anderen traumatischen Ereignissen, von denen jemand direkt betroffen ist. Oft – meistens eigentlich – ist es aber so, dass sich Befindlichkeiten und Zustände einschleichen und die Betroffenen selbst erst ganz spät, wenn überhaupt, Hilfe erfragen. Angehörige sehen das schon früher, je weiter entfernt sie sind, um so eher können sie begreifen, was vor sich geht. Nahe Angehörige, die auch noch mit dem Betroffenen zusammen leben, entwickeln oft die Tendenz, die Entwicklung nach außen wie innen zu kaschieren, in bestimmten Fällen nennt man das Ko-Abhängigkeit. Aber auch in weniger drastischen Zusammenhängen ist es richtig, wenn auch nicht einfach, den vermeintlich Betroffenen darauf anzusprechen und anzuregen, über Therapie nachzudenken. Der Initiator geht das Risiko einer groben Abfuhr ein! Wenn Ihnen an der Person, um die es geht, jedoch etwas liegt und Sie glauben, das Risiko eingehen und ertragen zu können: Suchen Sie behutsam das Gespräch – oder bitten sie eine Person Ihres Vertrauens um Unterstützung. Nur im akuten Notfall kann man jemanden gegen seinen Willen in therapeutische Obhut bringen. Deshalb ist es so wichtig, das Einverständnis für den ersten Schritt zu erreichen – zu einer Beratungsstelle, in eine Klinik oder in eine Praxis. Oder zu Ihrem Hausarzt, er kann vielleicht den ersten Schritt dazu einleiten.

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19. KANN ICH SELBST ERKENNEN, OB MEIN KIND EINE    PSYCHOTHERAPEUTISCHE BEHANDLUNG BENÖTIGT?
Das beste, das Sie tun können: seien Sie liebevoll, aufmerksam – und: respektvoll Ihrem Kind gegenüber. Als Eltern wissen Sie, dass Kinder sich durchaus nicht immer so verhalten, wie es wünschenswert wäre. Diese Abweichungen vom Wünschenswerten sind in jeder Lebensphase andere, aber – um dieses Wort doch einmal zu gebrauchen – normal. Eltern entwickeln meist auch ein Gespür für Veränderungen – z.B. Verstärkung oder Abnahme bisher bekannter Gewohnheiten – und werden ihr Kind beobachten und ihre Beobachtungen mit dem Kind altersgemäß besprechen bzw. sich Rat holen bei Personen ihres Vertrauens. Die Anstrengungen allein des Heranwachsens sind beträchtlich und fordern manche Kinder bis an ihre Grenzen; die Verarbeitung der vielen neuen Eindrücke und sie direkt oder indirekt bertreffender Ereignisse in ihrem Umfeld kann sie leicht überbeanspruchen. Die Reaktionen können höchst unterschiedlich ausfallen und müssen beileibe nicht in offensichtlichem Zusammenhang mit der Ursache stehen – dann werden sie oft nicht verstanden und dem Kind als Vorwurf angeheftet. Oft können Eltern solchen Überforderungen gut vorbeugen oder sie doch wenigstens auffangen. Manchmal aber nicht. Und es ist nicht leicht, die Erkenntnis zuzulassen, dass das eigene Kind die Symptome einer Überforderung auslebt. Vielleicht ist eine solche Erkenntnis mit Schuldgefühlen der Eltern verbunden, „ich habe bei der Erziehung meines Kindes Fehler gemacht, versagt, bin selber überfordert ...“ - das sind Gedanken, die sich aufdrängen können, die sogar manchmal zutreffen. Wenn es so sein oder ähnlich sein sollte, ist Handlung angesagt!! Es geht hier keinesfalls um Schuld- oder sonstige Zuweisungen, weder gegen Sie als Erziehungsberechtigtem noch gegen andere Personen, mit denen Ihr Kind in Schule und Freizeit zu tun hat. Wenn Ihr Kind - und Sie mit ihm - leidet, müssen Sie für Abhilfe sorgen. Seien sie aufmerksam und lassen sie Ihre Intuition und Ihr Herz sprechen. Ich lasse hier eine Aufzählung (Auswahl, kein Anspruch auf Vollständigkeit!) von kühl und kurz formulierten Anlässen folgen, die, wenn Sie auch nur erste Anzeichen davon bemerken, sorgfältig beobachtet und fachlich diagnostiziert und behandelt werden müssen.

 

 

Im Säuglingsalter: Starkes Schreien, Schlafstörungen und Probleme beim Füttern (z.B. zu wenig Nahrung oder Bevorzugung der „falschen“ Nahrungsmittel)
 
im Vorschul- und Schulalter: Aufmerksamkeitsprobleme und hyperkinetisches Verhalten (übermäßiger Bewegungsdrang)
 
Einnässen und Einkoten (nach dem Sauberwerden!)
 
Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten (z.B. beim Rechnen oder Lesen / Schreiben)
 
Ein- und Durchschlafstörungen
 
Verweigerndes, oppositionelles Verhalten
  Aggressives Verhalten – selbst bei marginalem oder vermeintlich fehlendem Anlass, Lügen, Stehlen, Weglaufen
 
Spezifische Ängste, starke Stimmungsschwankungen oder Niedergeschlagenheit, Rückzug in die innere Welt
 
Somatoforme Erscheinungsbilder (körperliche Beschwerden oder Veränderungen, für die es keine nachweisbaren körperlichen Ursachen gibt; z.B. Schmerzen oder Bewegungs-störungen)
 
Sprachstörungen, z.B. Stottern
 
Kontakt- und Beziehungsstörungen
 
selbstverletzendes Verhalten
  Chronische körperliche Erkrankungen wie Asthma, Diabetes, Neurodermitis – hieran sind sehr häufig auch seelische Faktoren beteiligt
 
Essstörungen wie Magersucht, Bulimie (Ess-Brechsucht), Adipositas (Übergewicht, BMI deutlich über 25)
 
Zwangsstörungen (unwillkürliche Gedanken oder Handlungen), Tics (unwillkürliche Muskelzuckungen)
 
Intensive Beschäftigung mit dem Gedanken an den Tod, Suizidales Verhalten
 
Suchtverhalten (Nikotin, Alkohol, andere Drogen, aber auch substanz-unabhängig, z.B. Computerspiele); nicht selten treten mehrere Bilder gleichzeitig auf
 
 

Diese Aufstellung repräsentiert wie die Spitze eines Eisberges die als schwerwiegend einzustufenden Auffälligkeiten im Kindes – und Jugendalter, für die (auch) psychotherapeutische Behandlung sinnvoll ist. Bitte wenden Sie sich an eine Beratungsstelle, an Ihren Arzt oder Kinderarzt oder an einen spezialisierten Therapeuten (siehe auch nächste Frage), wenn Sie auch nur erste Anzeichen feststellen. Sollten Sie nicht weiterkommen: Rufen Sie mich an, wir finden einen Weg.

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20. GIBT ES FÜR KINDER UND JUGENDLICHE ANDERE    PSYCHOTHERAPEUTEN ALS FÜR ERWACHSENE?
Ja, die gibt es! Die therapeutische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen stellt andere und besondere Anforderungen, worauf diese Therapeuten eingestellt sind. Sie finden sie zum Beispiel über Ihren Kinderarzt, über die Kassenärztliche Vereinigung, über Ihre Krankenkasse und im örtlichen Telefonbuch resp. im Internet. Sie können aber auch Beratungsstellen vor Ort kontaktieren (beispielsweise über den Kindernotdienst, Suchtberatungsstellen oder die Erziehungsberatung); auch stationäre und ambulante Einrichtungen der Kinder- und Jugendpsychiatrie, in den Abteilungen für Psychotherapie und Psychosomatik der Kinderkrankenhäuser und bei Einrichtungen der Jugendhilfe (z.B. therapeutische Wohngemeinschaften für Jugendliche und Einrichtungen der beruflichen Förderung) sollten Ihnen helfen können, einen Therapeuten / eine Therapeutin zu finden, die sich Ihres Kindes annehmen und Sie unterstützen. Niedergelassene Kinder- und Jugend-Psychotherapeuten arbeiten meist eng mit den o.g. Institutionen zusammen; das gemeinsame und vornehmliche Ziel ist die Prophylaxe. Deshalb ist es so wichtig, dass Sie in gutem Kontakt mit Ihrem Kind bleiben, auch wenn in manchen Phasen der Entwicklung die Distanz etwas größer wird – und werden muss! Es wird in der Regel so sein, dass parallel zur Behandlung Ihres Kindes auch intensive Gespräche mit Ihnen, den Eltern, und ggf. auch mit den Erziehern und Lehrern geführt werden. Sollen Sie als Eltern gleichfalls Belastungen, Konflikten und Schwierigkeiten in Familie und Beruf ausgesetzt sein, sollten auch Sie Unterstützung finden für den Umgang mit Ihrem Kind. Die Kosten für Kinder- und Jugendpsychotherapie übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen – auf Antrag und bei entsprechender Indikationsstellung. Erkundigen Sie sich bitte dort genau! Auch bei Beihilfestellen sollten Sie sich nach den Bedingungen für eine anteilige Übernahme der Kosten erkundigen. Je nach Vertragsgestaltung übernehmen Privatversicherungen ebenfalls die Kosten ... überprüfen Sie Ihre Bedingungen ruhig einmal – rein prophylaktisch!

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21. WIE SIEHT ES AUS MIT VERTRAULICHKEIT, VERSCHWIEGENHEIT,    ANONYMITÄT?
Diese Frage ist mehr als berechtigt, aber ich denke, Sie können beruhigt sein. Ärzte und Psychologische Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendpsychotherapeuten unterliegen (neben anderen Berufsgruppen) nach § 53 StGb der strafrechtlichen Schweigepflicht, Heilpraktiker unterliegen der zivilrechtlichen Schweigepflicht darüber, was uns in der Ausübung unseres Berufes anvertraut wurde oder bekannt geworden ist. Der hohe ethische Anspruch unseres Berufsstandes (Berufsordnung für Heilpraktiker, BOH) gebietet uns darüber hinaus ein peinlich genaues Beachten der Verschwiegenheit. Auch öffentliche Stellen oder Kassen und Versicherungen unterliegen zumindest der Schweigepflicht nach BGB. Hier und da gibt es Berichte über „Lücken“ – dies sind jedoch wenige traurige Ausnahmen. Wenn Sie 99,9 prozentige Sicherheit (100% gibt es leider nirgends!) suchen, müssen Sie einen Behandler Ihres Vertrauens finden und dort Selbstzahler sein; dann werden Ihre Daten zumindest nicht bei öffentlichen Stellen gespeichert. Allein Geistliche dürfen über ihnen anvertraute Zusammenhänge hier auf Erden vor jedem Frager schweigen.

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22. ICH NEHME NUR SEHR UNGERN MEDIKAMENTE EIN; KANN ES SEIN, DASS    ICH PSYCHOPHARMAKA NEHMEN MUSS?
Ehrlich gesagt, haben Sie meine volle persönliche Sympathie, wenn Sie ungern Medikamente einnehmen. Es wird immer wieder berichtet, dass Ärzte zu schnell und / oder zu viel Medikamente verschreiben. Es geht halt im Augenblick in der Tat schneller ... ABER: ich möchte hier nicht gegen jegliche Medikation wettern! Das wäre auch wieder übertrieben. Es gibt durchaus Konstellationen, in denen die richtige Medikation erleichternd wirkt oder den Betroffenen erst einmal eine Befindlichkeit erreichen lässt, in der er in der Lage ist, psychotherapeutische Interventionen zu akzeptieren und dabei aktiv mitzuarbeiten. Die Antwort auf die Frage lautet also klar JA! Jedoch bitte mit der Zielsetzung, alles zu veranlassen und zeitnah immer wieder zu prüfen, ob und wann die Medikation kontrolliert reduziert oder gar abgesetzt werden kann und ob und ab wann eine psychotherapeutische Betreuung allein ausreicht. Achten Sie eigeninitiativ darauf, wenn Ihnen Psychopharmaka verschrieben werden! Seien Sie – Stichwort eigeninitiativ – aber auch höchst vorsichtig, wenn Sie die Idee haben sollten, Ihre Medikamente ohne Rücksprache mit dem Verschreiber abzusetzen. Bringen Sie Ihren Wunsch, es ohne Medikamente versuchen zu wollen, bei Ihrem nächsten Besuch deutlich vor und besprechen Sie die Möglichkeiten. Entspricht das Ergebnis nicht Ihren Vorstellungen, holen sie eine zweite Meinung ein! Es ist Ihr Körper, aber es ist nicht Ihr Fachgebiet, um das es hier geht, bitte bedenken sie das.

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23. IST SELBSTMEDIKATION MIT NATURHEILMITTELN SINNVOLL?
Bitte lesen Sie zunächst Punkt 3 – falls Sie das noch nicht getan haben! (WIE WEIT KANN ICH MIR EIGENTLICH SELBST HELFEN?) Dort steht sinngemäß: Alles, was positiv wirkt, kann auch negative Wirkungen haben. Es ist also nicht so, dass „rezeptfrei“ oder „biologisch aus meinem Garten“ gleichbedeutend ist mit „keine Nebenwirkungen“. Das ist der eine Punkt. Der andere – hier vielleicht sogar wichtigere – ist der: Sie können mit Selbstversuchen viel Zeit verbrauchen. Nicht immer hilft die Selbstmedikation ja überhaupt. Wenn Sie also wirklich ein behandlungsbedürftiges Leiden haben, verlieren Sie möglicherweise wertvolle Behandlungszeit. Sehen Sie hierzu auch Punkt 17 (WANN IST DER RICHTIGE ZEITPUNKT, UM SICH, UM SICH UM THERAPIE ZU KÜMMERN?) Die Antwort auf die Frage ist also ein nur bedingtes JA! Seien Sie mit einer Selbstmedikation behutsam und vorsichtig und beobachten Sie sich genau. Auch kann die Inanspruchnahme eines Orientierungsgespräches bei einem Therapeuten oder Behandler Klärung bringen – versuchen Sie es, ehe Sie Selbstversuche zu lange durchführen und eine Chronifizierung riskieren.

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24. KRITERIEN FÜR AMBULANTE THERAPIE
Zur ambulanten Therapie suchen Sie eigeninitiativ oder auf Anraten eines anderen Behandlers die Praxis eines Therapeuten auf - für eine bestimmte Zeit und zu regelmäßig stattfindenden Terminen. Sie können sich trotz psychischer und / oder körperlicher Symptomatik während dieser Therapie selbst versorgen und oft auch Ihrem Beruf weiterhin nachgehen. Sie können alle Alltagstätigkeiten erledigen und benötigen keine zusätzliche Hilfe dabei. In einer solchen Situation können Sie davon ausgehen, dass eine ambulante Therapie für Sie möglich ist.

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25. KRITERIEN FÜR STATIONÄRE THERAPIE
In einem Gespräch mit Ihrem Arzt oder Therapeuten wird geklärt, ob eine stationäre Einweisung richtig für Sie ist. Eine stationäre Betreuung wird erwogen, wenn Ihre psychische Befindlichkeit nur im geschützten Rahmen einer stationären Aufnahme sinnvoll und erfolgversprechend behandelt werden kann; wenn Sie so beeinträchtigt sind, dass Sie sich nicht selbst versorgen können; wenn die Gefahr besteht, dass Sie sich selbst oder andere schädigen; wenn Sie im geschützten stationären Rahmen auf eine spätere ambulante Therapie vorbereitet werden können; wenn durch Ihre Befindlichkeit Ihre familiäre Situation oder Ihr soziales Umfeld mehr als zumutbar belastet werden würde. Dies sind die Hauptgründe für eine Stationäre Therapie. Wenn Sie sich in einer solchen Situation befinden, ist es wahrscheinlich richtig, der stationären Behandlung zuzustimmen. Vielleicht wissen Sie, dass man Sie, wenn Ihre Situation als für Sie selbst oder andere gefährdend eingestuft wird, auch gegen Ihren Willen in stationäre Betreuung bringen kann und das ggf. auch tun würde. Andererseits gibt Menschen, die sich von sich aus und freiwillig in eine schützende Umgebung begeben, vielleicht weil sie die Erfahrung gemacht haben, dass ihnen dies in einer überschaubaren Zeit den gewünschten Erfolg bringen kann.

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26. WAS KOSTET PSYCHOTHERAPIE? WIE SIEHT ES MIT ZUZAHLUNGEN AUS?
Leider ist es so, dass gesetzliche Krankenkassen die Leistungen der Heilpraktiker Psychotherapie gewöhnlich nicht bezahlen! Sollte Ihnen das Gegenteil – auch als Ausnahme – bekannt werden, wäre ich über eine Mitteilung sehr dankbar. Es gibt eine Gebührenordnung für Psychotherapie, in der man, wenn man möchte, eine Grundlage für meine Honorarberechnung finden kann. Allerdings berechne ich nicht jede einzelne Handlung mit einem anderen Satz, sondern es gibt ein Honorar pro Stunde (bei mir hat die Stunde dann auch tatsächlich 60 Minuten!), über das ich mich mit Ihnen im Orientierungsgespräch einige. Wie ich andernorts auf dieser Website schon gesagt habe: Bitte seien Sie offen und ehrlich zu mir, wenn Sie zwar gern zur Therapie zu mir kommen würden, jedoch augenblicklich Schwierigkeiten mit der Rechnung haben; meist lässt sich eine Möglichkeit finden, die Sie etwas entlastet. Mein Honorar liegt, wie ich festgestellt habe, im Mittelfeld dessen, was üblicherweise Selbstzahlern berechnet wird. Auch wenn Sie zu einem Behandler mit Kassenzulassung gehen, sollten Sie dies zuvor sicherheitshalber mit Ihrer Krankenkassen - und auch, wenn Sie privat versichert sind, mit Ihrer Versicherung – klären, indem Sie einen entsprechenden Antrag stellen, damit Sie unangenehme Überraschungen vermeiden. Wenn Ihr Antrag genehmigt ist, können Sie fünf bis acht sogenannte probatorische Sitzungen in Anspruch nehmen (fünf bei Verhaltenstherapie und tiefenpsychologisch fundierter Therapie, acht bei Psychoanalytischen Sitzungen). Der Streit mit den Kassen geht manchmal darum, ob Sie fünf Therapeuten mit jeweils dieser Anzahl probatorischer Sitzungen probieren dürfen (niemand kann von Ihnen verlangen, dass Sie sich gleich beim ersten Versuch wohl fühlen und bei diesem Therapeuten dann bleiben!) oder ob in der Anzahl der genehmigten probatorischen Sitzungen auch schon Ihre Therapeutensuche eingeschlossen sein muss. Bitte klären Sie auch das (vor Beginn der Therapie). Private Versicherungen unterscheiden manchmal nicht zwischen probatorischen Sitzungen und bereits regulären Sitzungen und ziehen die in Anspruch genommenen Sitzungen gleich von der ersten an vom vereinbarten Jahreskontingent ab. Die Zahl der bezahlten Therapiestunden pro Jahr schwankt – üblich sind zwischen 20 und 30, das kann jedoch auch anders sein. Bitte checken Sie auch das! Viele Therapiepläne können mit dieser relativ geringen Sitzungszahl nicht ordnungsgemäß durchgeführt werden. Es kann also sehr gut sein, dass Sie, auch wenn Sie „bis an die Zähne“ versichert sind, noch selbst einen Teil der Therapiekosten übernehmen müssen, wenn Sie sie bis in den optimalen Bereich weiterführen möchten. Zum Thema Zuzahlungen: In der Überschrift steht absichtlich nicht, in welcher Richtung Zuzahlung gemeint ist. Es gibt zwei Möglichkeiten: Wenn Sie aufgefordert werden, eine Zuzahlung zu einer von der Kasse bezahlten Therapie zu leisten, also das Honorar des Behandlers schlicht gesagt aufstocken sollen, so würde es sich definitiv um eine nicht rechtmäßige, illegale Zuzahlung handelt. Bei Zuzahlungen, die Sie erhalten könnten, zum Beispiel von Versicherungen, die Sie abgeschlossen haben, kann das anders sein: Dann hätten Sie einen bestimmten Tarif über einen bestimmten Prozentsatz des Honorars abgeschlossen und müssen den Rest selbst tragen. Das könnte in Ordnung sein, sicherheitshalber sollten Sie das jedoch ebenfalls vor Entstehen der Kosten prüfen.
Leider ist dieser Paragraph ziemlich lang geworden – und großenteils mit Informationen, die mit meiner Praxis nicht viel zu tun haben. Aber ich denke, es ist völlig in Ordnung, wenn ich Informationen gebe, die Sie vielleicht woanders verwenden können.

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27. HABEN SELBSTZAHLER WIRKLICH VORTEILE?
Selbstzahler haben zunächst einmal einen Nachteil: Sie sind vollständig selbst für den Ausgleich Ihrer Rechnung verantwortlich. Das mag manchmal nicht einfach sein, ist aber schon der einzige Nachteil. Alle Fußangeln und anderen Schwierigkeiten, die in der vorangegangen Frage erläutert wurden, fallen hier weg. Wie oben auch erläutert, gibt es Versicherungs-Konstellationen, die Zuschüsse leisten oder die Kosten in einem bestimmten Umfang ganz übernehmen. Ein anderer Punkt: Manche Klienten legen Wert auf vollständige Anonymität, sie möchten nicht, dass mit dem Rechnungsausgleich durch Dritte (z.B. die Krankenkasse) eine Inanspruchnahme von Psychotherapie registriert wird. Dies gelingt natürlich am sichersten, wenn die Kosten selbst getragen werden. Ein sehr großer Vorteil für Selbstzahler ist fallweise weiterhin, dass sie eine große Therapievielfalt wahrnehmen können - ohne Wenn und Aber. Viele Therapien, die von den Kassen noch nicht anerkannt sind, haben den besten Leumund und eine hervorragende Erfolgsgeschichte. Es kann passieren, dass Ihr Behandlungsbedarf durch Ihre Kasse voll anerkannt ist, Sie mit anderen als den weiterberechenbaren Methoden allerdings viel mehr oder schneller Erfolg haben könnten; was würden Sie tun? Ich wünsche Ihnen, dass Sie immer zu Ihrem Wohl entscheiden.

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28. WAS KANN ICH TUN? MEIN KONTINGENT AN THERAPIESTUNDEN IST    AUSGESCHÖPFT
Wenn Sie Mitglied einer gesetzlichen Versicherung sind und die in Frage 26 behandelten Checkpoints alle bewältigt haben, das heißt, Ihre Kasse zahlt, wenn auch „nur“ ein bestimmtes Kontingent an Sitzungen: Die Alternative zum „selber zahlen“ könnte ein Versuch sein, die Therapie bis in das folgende Jahr zu ziehen und das nächste Kontingent anzuzapfen. Manchmal kann das klappen, wenn z. B. der erste Teil Ihrer Therapie im zweiten Halbjahr stattfand. Manchmal – in Ausnahmefällen – hilft es aber auch, nachdrücklich mit der Krankenkasse oder Versicherung zu sprechen und ggf. Atteste oder entsprechende Bescheinigungen einzureichen. Viel mehr können Sie leider nicht tun. Wenn Sie jedoch eine bis dahin erfolgreiche Therapie erlebt haben, wenn Sie schon Erleichterung erfahren haben, dann sollten Se nicht kurz vor dem Ziel aufgeben: Es ist Ihre Gesundheit und Sie investieren in Ihr Leben und Ihre Lebensqualität. Dies sollten Sie sich plastisch vor Augen führen.

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29. KANN PSYCHOTHERAPIE AUCH SCHADEN?
Wir haben es weiter oben bereits im Zusammenhang mit (Selbst-) Medikation gesagt: Alles, was im gewünschten Sinn Wirkung zeigt, kann auch in einer nicht beabsichtigten Richtung wirken. Oft ist nur die Dosis ausschlaggebend. Bei der Psychotherapie ist es manchmal wie mit Medikamenten: Man geht aufgrund von Wissen und entsprechender Erfahrung davon aus, dass eine bestimmte Behandlungsmethode für einen bestimmten Patienten / Klienten in seiner besonderen aktuellen Situation richtig ist. Und es stellt sich überraschenderweise kein Erfolg ein. Das kann passieren. Deshalb ist es so wichtig, engen Kontakt zwischen Behandler und Klienten zu halten und sich sehr zeitnah über Befindlichkeiten auszutauschen. Geschieht das, hat man im Fall einer Verschlechterung die Chance, einzugreifen. Geschieht das nicht, kann es durchaus sein, dass sich der Klient schlechter oder weniger funktionsfähig fühlt als vor der Behandlung. Es kann auch sein, dass sich eine psychische Verbesserung einstellt, jedoch eine somatische Verschlechterung zu verzeichnen ist. Es sollte auch registriert werden, wenn nach einer angemessenen Zeit keine, nur geringfügige oder entgegen der Erwartung nur kurzzeitige Verbesserung eintritt. Es gibt daneben auch Kriterien, die eine rein psychotherapeutische Behandlung als nicht zweckmäßig erscheinen lassen: Bei schweren Depressionen und schweren Psychosen ist es sinnvoll, zunächst eine medikamentöse, ggf. stationäre, Behandlung einzuleiten. Einige Ausschlusskriterien stehen im Zusammenhang mit Verfahren der Psychotherapie, der Anwender entsprechender Therapien wird dies im Einzelfall mit Ihnen klären. Jeder gewissenhafte Behandler wird sich selbst auch prüfen unter der Fragestellung, ob er sich einem „Fall“ gewachsen fühlt, ob er / sie sich zutraut, hier zu intervenieren. Diese Prüfung sollte auch die Überlegung einschließen, ob vielleicht eine Methode, die er / sie nicht beherrscht – und also nicht anwenden kann – dem Patienten / Klienten besser oder sicherer helfen könnte. Liegt ein solcher Umstand vor, MUSS er angesprochen und Abhilfe geschaffen werden. Viele dieser Punkte können Sie als Patient / Klient selbst nicht oder nicht ausreichend einschätzen. Deshalb ist es so wichtig, Ihre Befindlichkeit und deren Veränderungen zu beobachten, sie zu registrieren und darüber zu sprechen!

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30. AUSBLICK: WAS IST FÜR DIE ZUKUNFT ZU WÜNSCHEN?
Es wäre es sehr wünschenswert, wenn das Gesundheitswesen den Weg zur Therapievielfalt weiterhin öffnen würde. Und es wäre äußerst lobenswert, wenn dem Bedarf an Behandlungsmöglichkeiten (auch im wahrsten Sinn des Wortes) Rechnung getragen würde: der Flaschenhals der Kassenzulassung muss gelockert werden. Es sind auch andere Möglichkeiten und Modalitäten möglich und erprobt (siehe Österreich und Schweiz, jeweils anders, beide viel offener). Nicht zu vertreten sind lange Wartelisten und der sich dahinter drängende Therapiebedarf! Jeder einzelne Fall bedeutet Leiden und Verlust an Lebensqualität! Hier und da sind wir schon auf einem guten Weg; unterstützen wir Bemühungen, die in die richtige Richtung gehen.

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Diese 30 Fragen und Antworten erheben selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sie decken vielleicht den ersten Ansturm von Fragen ab für jemanden, der noch keinen Kontakt mit dieser Art Intervention hatte. Abhängig von Ihrer persönlichen Situation können viele weitere Fragen auftauchen, die auch in noch ganz andere Gebiete hineinreichen. Bitte scheuen Sie sich deshalb keinesfalls, nach Antworten auf Ihre hier noch nicht berücksichtigen Anliegen zu fragen. Falls Sie mich fragen und ich die Antwort auch nicht weiß, weiß ich vielleicht aber doch, wo sie zu erhalten ist oder kann Ihnen sonstwie weiterhelfen.